Umstrittener Mordprozess in der Ukraine: „Manipulierte Anklage“

Ein Prozess gegen einen nigerianischen Studenten in Lugansk ruft Menschenrechtler auf den Plan. Sie sprechen von einer konstruierten Anklage.

Die taz berichtet über ein Mordverfahren gegen einen nigerianischen Medizinstudenten im ostukrainischen Lugansk, der angeblich ohne jedes Motiv (in der Ukraine bedeutet das: „Hooliganismus“) alleine gegen fünf ukrainische Jugendliche vorgegangen sein soll, um diese umzubringen. Der Angeklagte sitzt seit einem Jahr in U-Haft, es hat schon ein halbes Jahr gedauert, bis ihm endlich mal eine Dolmetscherin gestellt worden ist. Aus Sicht von Menschenrechtlern zeugt das Verfahren vom verbreiteten Rassismus in der Ukraine.
Zum gleichen Theme erschien in der jungen Welt ein Interview mit einem Menschenrechtsaktivisten aus Kiew.

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Militärhistorisches Museum der Bundeswehr: Lernort mit Tücken

Die Bundeswehr hat ein neues „Leitmuseum“: Mitte Oktober eröffnete das Militärhistorische Museum in Dresden. Frank Brendle hat es sich angesehen. Wir dokumentieren seinen Artikel aus der jungen Welt (15. 11. 2011). (hier als pdf) (mit Bildern), hier als link.

Lernort mit Lücken
Hintergrund. Die Bundeswehr leistet sich ein Museum, das die Greuel deutscher Kriegsgeschichte zeigt – aber nur bis 1945.

Runter vom Feldherrnhügel« ist ein oft zitiertes Motto des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, das Mitte Oktober in Dresden eröffnet wurde. Hier wird Militärgeschichte einmal anders erzählt: Nicht als Abfolge mehr oder weniger heroischer Schlachten und mehr oder weniger genialer Feldherrn, wie man es aus anderen Museen dieses Genres im In- und Ausland kennt. Es steht auch nicht eine möglichst imposante Sammlung von Waffen und Kriegstechnik im Vordergrund (gleichwohl gibt es eine Menge davon zu sehen). Hier geht es darum, Militärgeschichte in den gesellschaftlichen Kontext zu stellen und zu zeigen, wie eng sie verknüpft ist mit Gesellschafts- und Technikgeschichte. Bei alledem solle der »Mensch im Mittelpunkt« stehen, heißt es – der Mensch als Wesen, das den Krieg führt, aber auch in ihm und an ihm zugrunde geht.

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Lviv: Feierlichkeiten zur Ehrung der OUN/UPA

Im westukrainischen Lviv (zu Habsburger Zeiten Lemberg, zu polnischen Lwów) fanden am vergangenen Wochenende umfangreiche Feierlichkeiten anlässlich der Gründung der „Ukrainischen Aufständischen Armee“ (UPA) statt. Diese gilt dort, genau wie ihr politisches Äquivalent, die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) als mutige Kämpferin für die Unabhängigkeit der Ukraine. Tatsächlich hat sich die OUN den Nazis angedient, die allerdings die Existenz einer unabhängigen Ukraine abgelehnt hatten. Sehr zum Ärger der OUN, und dennoch kämpfte die UPA so gut wie gar nicht gegen die Wehrmacht, sondern beschränkte sich auf militärisches Vorgehen gegen sowjetische Partisanen bzw. die Rote Armee. Außerdem führte sie brutale Mordaktionen an den polnischen und jüdischen EinwohnerInnen der westlichen Ukraine durch.
Dennoch gelten OUN und UPA in der Westukraine als Helden und Vorbilder. Ihr faschistischer Charakter wird ausgeblendet.
Die faschistische Partei Svoboda (über 30 % Stimmen) und die Stadtverwaltung von Lviv haben am Wochenende einen Umzug, Theaterstücke und ein Konzert veranstaltet. Offen neofaschistische Gruppen demonstrierten ebenfalls.
Hier einige Bilder von diesem Wochenende, hier ein Bericht der jW.
English version here

Bildnutzung:
– für nichtkommerzielle Zwecke: frei bei Bildnachweis (Frank Brendle, Berlin) und Zusendung von Belegen
– für kommerzielle Zwecke: nur nach Vereinbarung (Mail an Bildungswerk, siehe Impressum)

Bandera Monument Lviv
Bandera Monument Lviv
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1. und 3. September: ’s brent!

’s brent!

Faschismus, Widerstand und Gedenkpolitik
in Litauen und Deutschland

1. und 3. September 2011

mit
Fania Brantsovskaya
Christoph Dieckmann
Dovid Katz
Gerd Wiegel

Ort der Information
Denkmal für die ermordeten
Juden Europas
(Holocaustmahnmal)
Cora-Berliner-Straße 1
10117 Berlin
(Nähe Brandenburger Tor)

Eintritt frei

Weitere Infos im Flyer oder hier:
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Prager Deklaration: Die Blaupause (vor allem) osteuropäischer Geschichtspolitik

Die 2008 verabschiedete Prager Deklaration dient vor allem in Osteuropa als eine Art Blaupause für die Geschichtspolitik. Sie setzt Nationalsozialismus und Kommunismus, die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung mit den unter Stalin betriebenen Deportationen, Erschießungen und anderen Verbrechen gleich. In einer Erklärung der Vereinigung litauischer Juden in Israel heißt es dazu, dieser Geschichtsrevisionismus erlaube es den osteuropäischen Gesellschaften, ihre „enthusiastische Beteiligung“ bei der Ermordung der Jüdinnen und Juden zu leugnen.
Aktuellstes Beispiel dafür, dass in der praktischen Politik keineswegs eine Gleichsetzung herauskommt, sondern die Bevorzugung des deutschen Faschismus und seiner Kollaborateure, liefert Estland mit seinen heute noch stattfindenden Paraden von Waffen-SS-Veteranen, die auf Verständnis der Regierung stoßen.

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Rot=Braun: Die staatliche Kommission

Nach der Unabhängigkeit hat der litauische Präsident eine Kommission eingerichtet, die sich „Internationale Kommission zur Untersuchung der Verbrechen von Nazi- und sowjetischen Besatzungsregimen in Litauen“ nennt und damit die Gleichsetzung der beiden Besatzungsregime schon im Namen mit sich führt. Das heißt nicht, dass die Kommission nicht auch sinnvolle Forschungen geleistet hat, und ihre Mitglieder sind selbstverständlich nicht über einen Kamm zu scheren. Einige sind allerdings ausgestiegen, nachdem eines ihrer Mitglieder, Dr. Yitzhak Arad, ehemaliger Direktor von Yad Vashem, ins Visier der litauischen Justiz geraten war (hier ein Artikel der Jerusalem Post): Auf Betreiben rechter Kreise wurde er, weil er als Partisan in kommunistischen/sowjetischen Einheiten war, beschuldigt, „Kriegsverbrechen“ begangen zu haben. Genauso erging es einigen anderen ehemaligen jüdischen (und nur jüdischen!) PartisanInnen. Die Kommission hat zu dieser Kriminalisierung eines ihrer Mitglieder kein Wort verlauten lassen, woraufhin Arad selbst, aber auch andere ihren Rückzug erklärt haben. So auch Martin Gilbert, dessen Forderung, die Kommission möge den Kampf der PartisanInnen gegen den Faschismus würdigen, bis heute nicht erfüllt ist.

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Geschichte auf Litauisch…

Hier folgen einige, erstmal nur wenige Artikel sowie Interviews. Das sind keine repräsentativen Texte, und die Auswahl verfolgt keinen wissenschaftlichen Anspruch. Die Texte sind vielmehr unter dem Eindruck eines Besuches in Vilnius enststanden. In ihrem Mittelpunkt stehendiejenigen, die wir dort getroffen haben, und zwei von ihnen – Fania Brantsovskaya und Dovid Katz – werden auch bei der Veranstaltung in Berlin sein.

Ein relativ langer Artikel erschien in der jungen Welt vom 16. 12. 2011: Geschichte auf Litauisch stellt einige Aspekte der litauischen Geschichtspolitik vor und zeigt, wie sehr der Holocaust aus dem Blickfeld verschwunden ist.

Simon Alperavitchius, Präsident der Litauischen Gemeinde Litauens, schildert im taz-Interview, wie sich das Verhältnis zwischen litauischer Gesellschaft und den rund 5000 Jüdinnen und Juden – zum Negativen – entwickelt.

Dovid Katz erklärt im ND, wie er die Wahl hatte: Entweder Klappe halten oder die Stelle an der Uni verlieren.

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`s brent: Flyer ist fertig

und kann hier heruntergeladen werden.

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1. und 3. September: ’s brent! Faschismus, Widerstand und Gedenkpolitik in Litauen und Deutschland

Am 1. und 3. September findet im Ort der Information (Holocaustmahnmal) eine Veranstaltung des Bildungswerks zum Thema Gedenkpolitik in Litauen und Deutschland statt. Genauere Infos hier …

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