Kategorie: Ukraine

  • Neues Erinnerungsprojekt: Genozid an Roma in der Ukraine 1941-1944

    Im Mai 2018 haben wir mit einem neuem Projekt begonnen: Es geht um die Erinnerung an den Genozid an ukrainischen Roma im deutschen  Besatzungsgebiet 1941-1944 (das Vorgängerprojekt beschäftigte sich ja mit der rumänischen Besatzungszone). Wir haben im Rahmen einer Recherche über 60 Interviews geführt, darunter Dutzende mit ZeitzeugInnen. Vom 31. August bis zum 9. September werden wir mit einer Gruppe von UkrainerInnen und Deutschen, darunter Roma und Nicht-Roma, einige der ZeitzeugInnen und ExpertInnen sowie Erinnerungsstätten erneut besuchen.

    Neben der Auseinandersetzung mit der Geschichte geht es um die Sensibilisierung für jegliche Diskriminierung in beiden Ländern.

    Weitere Informationen zu diesem Projekt auf unserer Projekthomepage:

    www.genocidegainstroma.org

     

  • Veranstaltung: „Krieg der Erinnerungen in der Ukraine und in Deutschland“

    3. Juli 2015, 19 Uhr, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstr. 13-14, Berlin, Saal B, 2. Etage

    kde_ukrErinnerung an den Holocaust vs. Rehabilitierung nationalistischer Kollaborateure?

    Der „Krieg der Erinnerungen“ tobt in der Ukraine heftiger denn je.

    Die Geschichte des Landes wird zunehmend aus ethnisch-nationalistischer Sicht dargestellt. In die behauptete Traditionslinie eines hundertjährigen Kampfes um nationale Unabhängigkeit werden auch nationalistische Milizen, Kollaborateure des Nazi-Reiches und Freiwillige der Waffen-SS eingereiht.

    Die Erinnerung an den Holocaust, der schon zu Sowjetzeiten als Marginalie behandelt wurde, droht verloren zu gehen. Jedes dritte Holocaust-Opfer stammte aus der Ukraine – aber noch immer gibt es kein zentrales Mahnmal, kaum Literatur. Stattdessen gibt es in Politik und Gesellschaft eine Rehabilitierung jener, die als Komplizen am Holocaust beteiligt waren.

     

    Auch in Deutschland haben „antitotalitäre“ Deutungsmuster sowie die Gleichsetzung von kommunistischer Herrschaft und Nazireich Konjunktur. Auch hier droht durcheinanderzugeraten, wer während der NS-Herrschaft Täter, wer Opfer war.

    Unsere Referentinnen und Referenten berichten über die unterschiedlichen Formen der Erinnerung an den Holocaust, über ihren Kampf gegen das Vergessen und gegen die Rehabilitierung der Täter.

     

    Auf dem Podium:

     

    Boris Zabarko, Kiew. Historiker und Vorsitzender der Vereinigung jüdischer ehemaliger Häftlinge der Ghettos und nationalsozialistischer Konzentrationslager.

    Günter Morsch, Oranienburg. Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

    Grzegorz Rossolinski-Liebe, Berlin. Historiker, Experte zur Geschichte der Organisation Ukrainischer Nationalisten/Ukrainische Aufständische Armee (OUN-UPA).

    Flyer als pdf

    Koveranstalterin: VVN-BdA Berlin. Gefördert von der Stiftung Erinnerung-Verantwortung-Zukunft (EVZ) und der Bertha-von-Suttner-Stiftung.

  • Ukraine: Kontaminierte Erinnerung

    Die ukrainische Zivilgesellschaft feiert einen faschistischen »Freiheitskämpfer« und degradiert den Holocaust zur Marginalie. Eine geschichtspolitische Reise nach Lwiw und Kiew.
    Der Rathausplatz von Lwiw im Spätsommer: Eine Gruppe von Fahrradfahrern kämpft für mehr Platz auf der Straße. Auf ihrer Fahne steht »Critical Mass«. So sieht sie also aus, die ukrainische Zivilgesellschaft. Wie in Deutschland. Anders als in Deutschland: Der Anführer ruft »Slawa Ukraini«, die Menge antwortet »Heroiam Slawa«, »Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden«. Es folgt die Parole: »Ruhm der Nation – Tod den Feinden«. Das Ganze wiederholt sich mehrfach, Passanten rufen der Menge die Parolen zu, die freudig antwortet. Neu sind die Schlachtrufe nicht, es sind die Grußformeln der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und ihres 1942 gegründeten militärischen Arms, der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA)….

    Im September war ein kleines Team von uns und der Pinima-Produktion auf einer „erinnerungspolitischen“ Reise nach Lwiw und Kiew. Wir wollten wissen, wie tiefgreifend die Verehrung von Bandera und der Organisation Ukrainischer Nationalisten ist, und welche Bedeutung das für die Erinnerung an den Holocaust hat. Dazu hat Frank Brendle in der jungen Welt einen Reisebericht veröffentlicht (Gleich eine Berichtigung: Die Fotos in diesem Artikel werden falsch zugeordnet, sie sind von pinima-Produktion. Online ist das von der jW korrigiert worden.). Wir werden in den nächsten Tagen noch mehr Eindrücke von dieser Reise veröffentlichen, die teilweise auch über das rein Erinnerungspolitische hinaus gehen.
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  • „Слава Україні — Героям Слава“: Faschisten zum Vorbild

    Vorbemerkung: Eine abschließende Bewertung der Ereignisse auf dem Maidan werden wir hier nicht vornehmen. Wir bleiben bei unserem Schwerpunktthema: Geschichtspolitik in Osteuropa. Dazu dieser Text.

    Viele Oppositionelle auf dem Kiewer Maidan berufen sich auf die »Organisation Ukrainischer Nationalisten«. Deren Milizen ermordeten während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Polen und Juden. (junge Welt, 20. 2. 2014)
    Die Massenproteste in der Ukraine werden von westlichen Medien und Regierungen überwiegend als Ausdruck demokratisch-europäischer Werte dargestellt. Im Selbstverständnis vieler Demonstranten mögen sie dies auch sein. Doch das Geschichtsverständnis, das sie transportieren, hat mit einem demokratischen Europa nichts zu tun, sondern vielmehr mit der klammheimlichen Rehabilitierung einer faschistischen Bewegung. (mehr …)

  • Bericht über die 1. Veranstaltung: Geschichtsbilder und Geschichtslücken in Osteuropa

    Die Veranstaltung fand in dem gut besuchten Veranstaltungsraum der Hellen Panke statt.

    Wir hatten folgende Beiträge vorbereitet, die wir hier zum Nachlesen, Hören und Sehen zur Verfügung stellen:
    1. Einfühungsreferat von Gudrun Schröter
    2. Kurzfilm zu den Erinnerungsstätten in der Ukraine
    3. Beitrag über die Verhältnisse in Estland
    4. Kurzfilm zu den Erinnerungsstätten in Ungarn
    5. Redebeitrag und Bildbeitrag zu Litauen
    6. Beitrag über Lettland

    (Sobald alle anderen Dateine zur Verfügung stehen, werden wir sie hier auch auf den Seiten freischalten.)

    Nach den Beiträgen hatten wir noch eine spannende Diskussion von über einer Stunde mit zahlreichen Anregungen.
    Zum Schluß zeigten wir noch folgendes Video zur Ankündigung für unsere nächste Veranstaltung am 18.04 im Haus der Demokratie.

  • „Rot“=“Braun“? – Veranstaltungsreihe im April/Mai 2013

    [Text als pdf] [Flyer als pdf]

    „Rot“=„Braun“?

    Holocaust-Relativierung und Erinnerungskriege in Osteuropa

    Museum der Okkupationen, Tallinn
    Museum der Okkupationen, Tallinn

    „Rot“=„Braun“: Die Gleichsetzung des Dritten Reiches mit der Sowjetherrschaft ist ein dominanter Zug in der Geschichtspolitik zahlreicher osteuropäischer Staaten. Milizen, die gemeinsam mit Wehrmacht und Waffen-SS gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, wird teilweise der Status als „Freiheitskämpfer“ zugesprochen.

    Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, diese Vorgänge und ihre Auswirkungen auf die Holocaust-Forschung öffentlich zu machen und jenen AktivistInnen in Osteuropa, die Gleichsetzung und Holocaust-Relativierung ablehnen, eine Stimme zu geben.
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  • „Faschisten sind jetzt populär geworden“

    Erstmals ist eine faschistische Partei in der Ukraine in Fraktionsstärke ins Parlament eingezogen: Die „Allukrainische Vereinigung Swoboda“ erzielte bei den Wahlen im Oktober 2012 über 10 Prozent. Kurz vor den Wahlen hatte ein Team des Bildungswerkes ein längeres Interview mit einem Mitarbeiter des Instituts für Jüdische Studien an der Nationalen Universität Mohyla-Akademie in Kiew, Wjatscheslaw A. Lichatschew. Eine gekürzte Fassung des Interviews erschien in der jungen Welt, hier als pdf.

  • Umstrittener Mordprozess in der Ukraine: „Manipulierte Anklage“

    Ein Prozess gegen einen nigerianischen Studenten in Lugansk ruft Menschenrechtler auf den Plan. Sie sprechen von einer konstruierten Anklage.

    Die taz berichtet über ein Mordverfahren gegen einen nigerianischen Medizinstudenten im ostukrainischen Lugansk, der angeblich ohne jedes Motiv (in der Ukraine bedeutet das: „Hooliganismus“) alleine gegen fünf ukrainische Jugendliche vorgegangen sein soll, um diese umzubringen. Der Angeklagte sitzt seit einem Jahr in U-Haft, es hat schon ein halbes Jahr gedauert, bis ihm endlich mal eine Dolmetscherin gestellt worden ist. Aus Sicht von Menschenrechtlern zeugt das Verfahren vom verbreiteten Rassismus in der Ukraine.
    Zum gleichen Theme erschien in der jungen Welt ein Interview mit einem Menschenrechtsaktivisten aus Kiew.